Akzeptanz und mentale Gesundheit
S’esch wie’s esch: Wann Akzeptanz gesund ist und warum es manchmal so schwerfällt
In vielen Resilienzmodellen wird Akzeptanz als Ressource für Widerstandskraft beschrieben, so zum Beispiel im viel zitierten Modell der 7 Säulen der Resilienz (Reivich & Shatté, 2003). Viele haben bereits die Erfahrung gemacht, dass es kraftsparend ist, Unveränderbares anzunehmen, statt durch inneren Widerstand Energie zu verlieren. Trotzdem ist es häufig eine Herausforderung, uneingeschränkte Akzeptanz für etwas aufzubringen, das wir womöglich gerne anders hätten.
Was sagen Studien?
Akzeptanz wird beispielsweise im Rahmen der Forschung zur Acceptance and Commitment Therapy (ACT) untersucht. ACT ist eine psychotherapeutische Intervention, bei der unter anderem die Fähigkeit gefördert wird, auch unangenehme Gedanken, Gefühle und andere innere Erfahrungen anzunehmen, ohne sich von ihnen lenken zu lassen. Andrew Gloster fasste mit seinem Team 20 Meta-Analysen mit über 12'000 Teilnehmenden aus klinischen Studien zur Wirksamkeit der ACT zusammen (J Cont Behav Sci, 2020) und konnten zeigen, dass die Interventionen aus ACT die Krankheitssymptome lindern und die Lebensqualität steigern können.
Obwohl die Forschung diese positiven Effekte beschreibt und wir alle schon erlebt haben, wie erleichternd es sein kann, etwas einfach stehen zu lassen wie es ist, fällt es oft schwer, den inneren Widerstand aufzugeben. Warum halten wir fest?
- Vermeidung von Unangenehmem ist kurzfristig attraktiv
Inneren Widerstand aufrechterhalten kann als Schutzstrategie dienen, Unangenehmes nicht fühlen zu müssen. Diese sogenannte Experiential Avoidance kann kurzfristig Erleichterung bringen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt jedoch, dass dieses Ausweichstrategie mit der Aufrechterhaltung psychischer Belastungen zusammenhängen kann (Wang et al, Psychiatry Clin Psychopharmacol, 2024).
- Akzeptanz wird mit Resignation gleichgesetzt
Annehmen kann sich wie aufgeben anfühlen und der innere Widerstand vermittelt das Gefühl, weiterhin ‘etwas zu tun’. Umso wichtiger seinen Einflusskreis zu kennen und sich bewusst zu sein, dass Annahmen nicht Aufgeben bedeutet, wenn die Situation im Moment unverrückbar ist. Wenn Handlungsmöglichkeiten bestehen und Akzeptanz in passives Sich-Abfinden oder Hoffnungslosigkeit kippt (sog. resignative Akzeptanz), kann sie durchaus psychologisch ungünstig sein (Nakamura, Swiss J Psychol, 2005).
- Nicht wahrhaben wollen, an Erwartungen festhalten
Entspricht die Realität nicht unseren Erwartungen oder persönlichen Werten, entsteht häufig Widerstand. Die bewusste Wahrnehmung dieser Diskrepanz kann helfen, die Realität anzunehmen. Unveränderbares anzunehmen bedeutet natürlich nicht, die eigenen Werte aufzugeben oder mit der Situation einverstanden zu sein, es geht vor allem darum, keine Kraft durch mentalen Widerstand gegen die Realität zu verlieren.
Dieses Thema ist übrigens nicht nur auf individueller Ebene spannend, auch in Teamdynamiken kann unbewusstes Dagegen-halten viel Kraft kosten, z. B. wenn Dinge anders laufen als geplant oder Change ansteht.










Neueste Kommentare