Glaubensmuster über Leistung: Wie sie uns oft unbemerkt antreiben
Ein grundlegendes Stressmodell besagt vereinfacht: Stress entsteht nicht durch die Situation, sondern durch unsere Bewertung davon (Lazarus, 1966; Lazarus & Folkman, 1984). Wie wir eine Situation bewerten, hängt stark von unseren Grundannahmen über uns selbst ab. Sind diese Annahmen nicht förderlich, sprechen wir in der kognitiven Psychologie von dysfunktionalen Grundannahmen (Core Beliefs) über die eigene Person (z. B. Beck, 1976).
Im Arbeitsalltag wirken dysfunktionale Annahmen über Leistung oft enorm stressverstärkend. Typischerweise klingen diese etwa so:
- Ich bin wertvoll, wenn ich Leistung bringe
- Wenn ich nicht alles gebe, ist es nicht genug
- Ich darf mir keine Fehler erlauben
- Andere akzeptieren mich nur, wenn ich erfolgreich bin
- Ich muss immer stark und kompetent wirken
- Ich muss besser sein als andere, um zu genügen
Studien aus der kognitiven Psychologie zeigen, dass solche tief verankerten Überzeugungen unser Denken, Fühlen und Handeln stark beeinflussen. Diese Annahmen wirken oft leistungsfördernd, weil sie einen starken inneren Treiber für noch mehr Leistung erzeugen. Der Preis dafür ist jedoch enorm, weil Arbeiten damit konstant von Druck, innerer Getriebenheit, Angst vor Fehlern und wenig Erholung begleitet ist, was das Risiko für stressbedingte Erkrankungen erhöht.
Stellt sich ein Erfolg ein, ist das High von kurzer Dauer und der nächste Erfolg muss her. Daher die schlechte Nachricht: Es wird nie reichen!
Die gute Nachricht ist, dass diese dysfunktionalen Muster nur so lange wirken, wie sie unbemerkt bzw. unbewusst bleiben. Sobald wir sie erkennen, können wir anfangen, damit zu arbeiten. Wollen wir wirklich glauben, dass unser Selbstwert leistungsabhängig ist? Oder ist es an der Zeit, den Leistungsdrang in eine gesunde Richtung zu lenken und Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl genauso wichtig zu nehmen?