Verlässlichkeit als Gesundheitsressource
Wir können unmöglich alles kontrollieren und nichts im Leben ist wirklich dauerhaft vorhersehbar und diese Ungewissheit prägt natürlich auch die VUCA-Arbeitswelt. Es ist nicht erstaunlich, dass sich ein Klima der Ungewissheit messbar auf das Stresserleben der Erwerbstätigen auswirkt und Menschen in unsicheren Jobs oder mit viel Ungewissheit in ihren Aufgaben von schlechterer Gesundheit und weniger Wohlbefinden berichten (Kim, BMC Public Health, 2015; Akinwale, BMC Health Serv Res, 2024).
Da wir Ungewissheit aber nicht gänzlich vermeiden können, brauchen wir psychologische Flexibilität, also die Fähigkeit, auf veränderte Situationen angemessen zu reagieren, Denk- und Verhaltensmuster anzupassen, zwischen verschiedenen Perspektiven zu wechseln und belastende Gefühle auszuhalten (Kashdan & Rottenberg, Clin Psychol, 2010).
Neben der psychologischen Flexibilität können wir aber auch eine weitere Ressource einsetzen, um der Ungewissheit im Aussen etwas entgegenzuhalten: Unsere Verlässlichkeit.
🤝Verlässlichkeit wirkt dem Stresserleben entgegen, weil es mentale Kraft spart, mit Ungewissheit umgehen zu müssen. Verlässlich zu sein hat aber noch weitere Vorteile: Karin Lausch, die sich fundiert mit psychologischer Sicherheit beschäftigt, bezeichnet ‘Vereinbarung’ als Fundament für mehr psychologische Sicherheit. Warum Vereinbarungen die Zusammenarbeit entscheidend stärken, erklärt sie damit: «Wir unterschätzen, was Unklarheit und verschleierte Kommunikation mit uns machen. Kann unser Gehirn Informationen nicht eindeutig erfassen, verbraucht das enorm viel Energie.» Und weiter: «Wirkliche Klarheit entsteht aber erst dann, wenn wir etwas abmachen.» (herzliche Leseempfehlung: Lausch, Feel Safe. Be Brave. 2026, S. 65).
Etwas abmachen und es dann auch einhalten, also verlässlich sein, stärkt die Zusammenarbeit und kann als Gesundheitsressource wirken. Was wir selbst beitragen können:
🏆 Klare Zuständigkeiten formulieren: Wer macht was bis wann und warum definieren und sich dann daran halten (oder zumindest informieren, wenn es nicht eingehalten werden kann). Vorsicht vor vagen Zusagen wie ‘ich melde mich’ und schwammigen Vereinbarungen darüber, was die nächsten Schritte sein sollen.
🏆Nachfragen und im Austausch bleiben, ob das Vereinbarte von beiden Seiten deckungsgleich verstanden wurde. Keine impliziten Annahmen darüber, dass das Gegenüber dasselbe versteht wie ich (ganz im Sinne der Aussage einer geschätzten Kollegin: ‘Kommunikation bleibt sonst Glückssache’).
🏆Kontinuität: Verlässlichkeit und Vertrauen müssen konstant bewirtschaftet werden, kleine Unzuverlässigkeiten können das Gefühl von Unsicherheit in der weiteren Zusammenarbeit nähren.