Einsamkeit, Arbeit und Gesundheit
Einsamkeit wird wissenschaftlich als eine Form der Unzufriedenheit beschrieben, die dann auftritt, wenn die wahrgenommene Qualität und Quantität sozialer Beziehungen nicht mit den persönlichen Bedürfnissen übereinstimmen (Perlman & Peplau, Pers Relatsh, 1981). Einsamkeit ist also nicht mit Alleinsein gleichzusetzen, da Menschen sich auch einsam fühlen können, wenn sie Teil einer Gruppe sind oder mit anderen Zeit verbringen, etwa in Teams oder Partnerschaften (Mund et al., J Happiness Stud, 2021).
Das Gefühl einsam zu sein kann bei längerem Anhalten ernsthafte Folgen haben, was die Forschung zu gesundheitlichen Auswirkungen von Einsamkeit inzwischen eindrücklich darlegt. Verschiedene Meta-Analysen zeigen, dass anhaltende Einsamkeit die Lebenserwartung senkt und das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen erhöht (Holt-Lunstad et al., Persp Psychol Sci, 2015; Wang et al., BMC Psychiatry, 2018; Zheng et al., Br J Health Psychol, 2026). Dies wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass Einsamkeit als chronischer Stressor wirkt und physiologische Stressreaktionen in Gang setzt.
Auch im Arbeitskontext wird Einsamkeit intensiv beforscht: Eine Meta-Analyse von 49 Studien zu Workplace Loneliness zeigt, dass Einsamkeit am Arbeitsplatz mit geringerer Leistung, weniger Arbeitszufriedenheit, schlechteren Beziehungen zu Führungskräften und erhöhtem Burnout-Risiko einhergeht (Bryan et al., Occup Med, 2024). Interessant ist auch der konsistente Befund, dass Führungskräfte ein erhöhtes Risiko für Einsamkeit aufweisen, da sie aufgrund ihrer Rolle oft weniger Beziehungen auf Augenhöhe haben und persönliche Anliegen seltener offen besprechen können (Bao et al., Group Orga Managem, 2026).
Gerade weil Einsamkeit ein subjektives Erleben ist, das häufig verborgen bleibt, lohnt es sich, soziale Verbundenheit bewusst und präventiv zu fördern.
Beispiele von Interventionen in Teams:
- Beziehungsorientiert führen, z. B. durch regelmässige 1:1-Gespräche, in denen auch Fragen wie ‘fühlst du dich im Team gut aufgehoben?’ Platz finden
- Soziale Integration und Unterstützung durch Buddy- und Mentoringprogramme fördern
- Verbindungen im Team stärken, z. B. durch gemeinsame Pausen oder Meeting Check-ins mit Fokus auf zwischenmenschliche Themen
- Psychologische Sicherheit stärken und dadurch offene Kommunikation ermöglichen
Beispiele von Interventionen für Führungskräfte:
- Peer-Netzwerke mit anderen Führungskräften etablieren
- Coaching oder Supervision nutzen, um eigene Belastungen zu verarbeiten
- Psychologische Sicherheit im Team fördern und sicherstellen, dass auch eigene Unsicherheiten oder Herausforderungen angemessen offen angesprochen werden können
- Bewusst in private soziale Kontakte investieren
💜 Vielleicht dürfen wir uns auch vermehrt fragen, wie wir in unserem Wirkkreis bei der Arbeit zu mehr Verbundenheit beitragen können.