Zeit für Erholung

Der Erholungspeak ist am 8. Ferientag erreicht, so zumindest findet es eine Studie aus dem Jahr 2013. Und wie die Abbildung unten zeigt, ist der Erholungseffekt bereits nach einer Woche zurück am Arbeitsplatz mehr oder weniger vorbei (de Bloom et al., J Happiness Stud, 2013; Daten von 58 Arbeitskräften).

Seit der Veröffentlichung dieser Studie mit einer doch eher kleinen Stichprobe ist das Interesse an den gesundheitlichen Effekten von Urlaub gestiegen und so wurde 2025 eine Übersichtsarbeit publiziert, die immerhin 32 Einzelstudien zu diesem Thema einschliesst. Darin kommen die Autoren zum Schluss, dass der Erholungseffekt von Ferien doch etwas länger anhält als ursprünglich vermutet, so ganz genau beziffern lässt sich der ‘Vacation Afterglow’ jedoch nicht (Grant, J Appl Psychol, 2025). Spannend ist aber, dass die positiven Effekte auf das Wohlbefinden am höchsten sind, je besser es gelingt, sich mental von der Arbeit zu distanzieren (psychological detachment) und je körperlich aktiver die Ferien verbracht werden (Grant, 2025).

🔋Wichtig für unsere Lebensgestaltung bleibt aber die Erkenntnis, dass wir Erholung nicht ausschliesslich auf die Ferien verschieben sollten, denn das Nachglühen des Erholungseffekts ist viel zu kurz, um uns langfristig im Alltag entspannt zu halten. Also gilt es den Alltag möglichst so zu gestalten, dass das pre-vacation Wohlbefinden bereits auf einem guten Niveau ist und wir uns vor, während und nach den Ferien gut fühlen können. Beispielsweise können wir die mentale Abgrenzung von der Arbeit täglich nach Feierabend oder am Wochenende trainieren bzw. umsetzen.

Auch die Forschung zu 'Leisure Sickness' zeigt, wie wichtig es ist, Selbstfürsorge nicht ausschliesslich auf die arbeitsfreie Zeit zu verschieben: Dieses Phänomen beschreibt, dass bei Ferienbeginn und Abfall der Stressbelastungen das Krankheitsrisiko für Erkältungen, Migräne, Erschöpfung oder andere Beschwerden zunimmt. Mögliche Erklärungen liegen in komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Stressreaktions- und dem Immunsystem. Der abrupte Wechsel von hoher Belastung zu Erholung löst Anpassungsprozesse aus, die zusammen mit Veränderungen der Immunfunktion und der Körperwahrnehmung dazu beitragen können, dass Beschwerden bei Ferienbeginn einsetzen (van Heck et al., Psychol Top, 2007). Hinzu kommt, dass viele während intensiver Arbeitsphasen Warnsignale des Körpers kaum wahrnehmen und z. B. Erschöpfung erst bewusst erleben, wenn Ruhe einkehrt (Schulz et al., Front Psychol, 2015).

🏝️Ferien bleiben natürlich wichtig und machen im besten Fall gute Laune, die für die langfristige Gesundheit relevante Frage ist aber eher, wie wir die Zeit zwischen den Ferien gestalten.