Selbstwirksamkeit, Arbeitsstress und mentale Gesundheit: Was wissen wir?
Selbstwirksamkeit beschreibt «die Überzeugung einer Person, aufgrund eigener Kompetenzen und Handlungen gewünschte Ergebnisse herbeiführen und Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können» (Bandura, 1997). Sich selbst wirksam zu fühlen ist also eine innere Haltung, bei der ich mir etwas zutraue und mit positiven Erwartungen an Herausforderungen herantrete.
Wenn wir uns bewusst machen, dass Stressreaktionen dann in Kraft treten, wenn wir eine Herausforderung als Bedrohung interpretieren, wird uns schnell klar, dass Selbstwirksamkeit eng mit Stressregulation zusammenhängt. Das Gegenteil von Selbstwirksamkeit wäre dann ‘gelernte Hilflosigkeit’. Dieses Konzept beschreibt das unschöne Gefühl, keinen Einfluss auf Situationen zu haben und die Erwartung, dass das eigene Verhalten nichts verändern kann (Seligman, 1975), was Menschen stressanfälliger macht.
💪 Zurück zur Ressource Selbstwirksamkeit: Uns selbst wirksam zu fühlen beeinflusst unsere mentale Gesundheit. - Eine Meta-Analyse von 57 Studien zum Zusammenhang zwischen Selbstwirksamkeit und Burnout zeigt beispielsweise, dass Menschen mit höherer Selbstwirksamkeit seltener von Burnout betroffen sind (Shoj et al., Anx Stress Coping, 2016). Eine weitere Meta-Analyse von Studien bei jungen Erwachsenen beschreibt, dass diejenigen mit mehr Selbstwirksamkeit seltener eine Depression berichten (Yeo et al, Psychol Med, 2023; Graphik unten). - Eine Erklärung dafür ist, dass Selbstwirksamkeit die schädliche Wirkung von Arbeitsstress auf die mentale Gesundheit abpuffert (z. B. Rafiei et al. Sci Rep, 2024; Makara-Studzińska, Int J Environ Res Public Health, 2019) und die Art und Weise beeinflusst, wie wir mit Herausforderungen umgehen (Coping). So wurde beispielsweise beobachtet, dass höhere Selbstwirksamkeit mit gesünderen Coping-Strategien zusammenhängt, etwa konstruktiv auf Veränderung zu reagieren anstatt sich zurück zu ziehen oder Gegebenes annehmen zu können (Rabenu, Int J Psycholo Res, 2017).
💛 Selbstwirksamkeit bauen wir im frühen Leben auf. Die wertvollste Intervention ist, unseren Kindern diese innere Haltung zu vermitteln und ihnen Raum zum Erleben von Selbstwirksamkeit zu bieten (ihnen etwas Zutrauen, statt alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen!). Es ist aber nie zu spät: Gezielte Interventionen zeigen vielversprechende Resultate, Selbstwirksamkeit auch im Erwachsenenalter zu stärken. Führung kann z. B. darauf ausgerichtet sein, Selbstwirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen (Handlungsspielraum vergrössern, Lerngelegenheiten für Erfolgserlebnisse schaffen, Feedback geben, das Stärken bewusst macht.)

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