Mentale Gesundheit: Wovon sprechen wir eigentlich?
Mental health ist in der Arbeitswelt ein Topthema. Doch worüber sprechen wir eigentlich genau?
Wir alle haben sofort Bilder im Kopf, wenn wir den Begriff mentale Gesundheit hören. Ich assoziiere damit z.B. einen klaren Kopf zu haben, sich voller Tatendrang zu fühlen oder erwünschte Emotionen wie Freude, Zuversicht oder Zufriedenheit zu verspüren. Ein Blick in die Fachliteratur zeigt jedoch, dass es dann doch nicht ganz so einfach ist ...
Die WHO beschreibt mental health als «… Zustand des psychischen Wohlbefindens, der es Menschen ermöglicht, mit den Belastungen des Lebens umzugehen, ihre Fähigkeiten einzusetzen, gut zu lernen & zu arbeiten & einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten.»
💙Die WHO-Definition verdeutlicht, wie essenziell mentale Gesundheit dafür ist, unser Leben in all seinen Facetten gut zu meistern.
Eine allgemein akzeptierte Definition von mental health gibt es nicht. Eine Beschreibung die ich gerne verwende wurde 2002 vom Soziologen Corey Keyes veröffentlicht. Er beschreibt mentale Gesundheit als Spektrum, das von psychisch erkrankt bis psychisch gesund reicht, aber auch das subjektive Wohlbefinden einbezieht. Daraus ergibt sich ein Kontinuum, das sich schemahaft in vier Felder einteilen lässt:
👉 Hohes Wohlbefinden + psychische Gesundheit
Keyes nennt dieses Feld auf dem mental health-Kontinuum ‘flourishing’, ein Zustand mit hoher mentaler Gesundheit, bei dem keine psychische Erkrankung vorliegt & das Wohlbefinden hoch ist.
👉 Hohes Wohlbefinden + (diagnostizierbare) psychische Erkrankung
In diesem Feld ist die mentale Gesundheit durch das Vorliegen einer psychischen Erkrankung eingeschränkt, es gelingt jedoch, gut damit umzugehen & sich wohl zu fühlen.
👉 Niedriges Wohlbefinden + psychische Gesundheit
Menschen die sich hier verorten haben keine psychische Belastung im Sinne einer Erkrankung, dennoch ist ihr Wohlbefinden eingeschränkt. Ursachen hierfür sind oft belastende Lebensumstände, wie beispielsweise chronischer Arbeitsstress oder Konflikte.
👉 Niedriges Wohlbefinden + (diagnostizierbare) psychische Erkrankung
Keyes nennt dieses Feld ‘languishing’, bei dem eine psychische Erkrankung vorliegt & das Wohlbefinden niedrig ist. Es ist das Feld mit der niedrigsten mentalen Gesundheit.
Studien zeigen, dass die Arbeit das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit enorm beeinflusst (z. B. Harvey, Occup Env Med, 2017; van der Molen, BMJ Open, 2020). Gesunde Arbeitsbedingungen helfen also mit, dass Menschen sich im flourishing-Quadranten wiederfinden!

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