blog inequal

Soziale Ungleichheit und Arbeitsstress

Ist Arbeitsstress abhängig vom Sozialstatus?

Der Mythos vom gestressten Manager: Vergessen wir da nicht was für’s BGM? 

Lange hält sich der Mythos, dass Führungskräfte in hohen Positionen deutlich häufiger Stress erleben als Mitarbeitende weiter unten in der betrieblichen Hierarchie. Diese Annahmen rührt wohl daher, dass Arbeitsstress oft mit hoher Arbeitslast, Verantwortung und vollem Terminkalender gleichgesetzt wird. Dies greift jedoch zu kurz, da Arbeitsstress vielschichtiger ist und wie weiter unten beschrieben ist, viele Belastungen sozial ungleich verteilt sind. Das Bild zum Blog zeigt eindrucksvoll, dass Menschen mit ‚very high occupational status‘ (also die Personen mit hohem Berufsstatus) bei beiden Job-Stress-Indikatoren am wenigsten belastet sind und je niedriger der Berufsstatus, desto höher die Belastungen (Wahrendorf et al., Eur Sociol Rev, 2012).

Viele Jahre forschte ich über soziale Ungleichheit in der Gesundheit und daher möchte ich hier einige Insights zu sozialen Unterschieden von Arbeitsstress teilen. Oft vergessen wir, dass vor allem Menschen aus bildungsfernen Schichten in unqualifizierten Berufen das höchste Risiko für Arbeitsstress tragen:

-  Häufiges Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen bei der Arbeit führt zu einem Gefühl von Unfairness, das das Stresszentrum im Gehirn feuern lässt, z. B. körperlich anstrengende Arbeit in lärmigem Umfeld für wenig Wertschätzung und schlechte Bezahlung (z. B. Siegrist & Li, Int J Env Res Public Health, 2016)

- Häufig haben Menschen in statusniedrigen Jobs weniger Kompetenzen im Umgang mit Stress (z. B. geringe Selbstwirksamkeit, ungünstige Coping-Mechanismen, weniger soziale Unterstützung; z. B. Siegrist & Marmot, Soc Sci Med, 2004)

- Oft ist der Handlungsspielraum klein & sich aktiv einzubringen ist nur begrenzt möglich, was ein Gefühl von Machtlosigkeit vermittelt, das wiederum Stressreaktionen auslöst (Karasek & Theorell, New York, Basic Books, 1990).

- Oft findet Erholung weniger Platz im Alltag oder das Wissen ist beschränkt, wie die Batterien schnell wieder aufgeladen werden können.

- Häufig besteht akuter finanzieller Druck oder wenig Wahlmöglichkeiten auf dem Jobmarkt, was dazu führt, dass schlechte Arbeitsbedingungen hingenommen werden (Siegrist, J Occup Health Psychol, 1996).

Wenn wir also betriebliches Gesundheitsmanagement aufgleisen wollen das allen Hierarchiestufen einen Mehrwert bietet, brauchen Mitarbeitende aus statusniedrigeren Positionen besondere Beachtung.  

1725277278079

Gratifikationskrise und mentale Gesundheit

Gratifikationskrise und Depression

Ist Geben und Nehmen bei der Arbeit über längere Zeit nicht im Gleichgewicht, sprechen wir von einer Gratifikationskrise (Siegrist, J Occup Health Psychol, 1996). Eine Meta-Analyse über 8 prospektive Kohortenstudie mit rund 85'000 Beschäftigten untersucht den Zusammenhang zwischen Effort-Reward Imbalance (Gratifikationskrise) und Depressivität. Die Analyse zeigt, dass das Risiko eine Depression zu entwickeln bei Arbeitskräfte mit Effort-Reward Imbalance um rund 49 % erhöht. 

Das ERI-Modell ist seit der Erstveröffentlichung (Siegrist, 1996) zum Klassiker in der Arbeitsstress-Forschung geworden. Doch was steht eigentlich auf den beiden Seiten der Waagschale Geben und Nehmen? 

Folgende Aspekte stehen auf der Effort/Geben-Seite:
Wegen hohen Arbeitsaufkommens unter Zeitdruck arbeiten, Unterbrechungen in Kauf nehmen, Verantwortung tragen, Überstunden leisten, körperlich belastende Arbeit ausführen, Steigerung der Arbeitsdichte managen

Folgende Aspekte stehen auf der Reward/Nehmen-Seite:
Für Geleistetes Anerkennung erhalten, in schwierigen Situationen unterstützt werden, fair behandelt werden, Möglichkeiten für Aufstieg und Weiterentwicklung haben, der Ausbildung entsprechende Stellung innehaben, angemessenen Lohn erhalten, keine Verschlechterung der Arbeitssituation erwarten müssen, Arbeitsplatzsicherheit erfahren

 

Was können wir daraus für die Praxis lernen?

Das Modell verdeutlicht den sozialen Aspekt von Arbeit: Es geht nicht nur um finanzielle Belohnung, sondern auch darum, als Mensch gesehen und wertgeschätzt zu werden, sich weiterentwickeln zu können und sich fair behandelt zu fühlen. Ein Missverhältnis zwischen Einsatz und diesen psychosozialen Belohnungen löst Stress aus, weil das tief menschliche Grundbedürfnis nach fairem Austausch verletzt wird. Es bleibt also zentral, den fairen Austausch durch gesunde Rahmenbedingungen (z. B. angemessene Arbeitslast) und kulturelle Werte der Zusammenarbeit (z. B. wertschätzender Umgang) sicherzustellen. 

Screenshot 2026-05-19 151317

Arbeitsstress und die Macht der Gedanken

Gedanken haben einen mächtigen Einfluss auf das Stressgeschehen

Wie häufig hören wir uns oder andere über Stress klagen? Viele nehmen dies unkritisch hin und haben sich längst daran gewöhnt, dass Stress zum Arbeitsalltag gehört. Doch was passiert im Körper unter Stress genau und wie können Arbeits- und Führungskräfte mit less-stress Denken entgegenwirken?

Warum in Stressregulation investieren?

Der Job-Stress-Index der Gesundheitsförderung verdeutlicht, dass Stress bei der Arbeit für viele alltäglich geworden ist: Arbeitsstress betrifft schweizweit rund ein Drittel aller Arbeitskräfte und die Hälfte davon fühlt sich emotional erschöpft. Burnout ist dabei wohl der prominenteste Vertreter der Folgeerkrankungen von Stress und die Häufigkeit dieser Form extremer Erschöpfung hat im Laufe der letzten Jahre stetig zugenommen. Weit weniger bekannt ist, dass auch andere mentale und körperliche Erkrankungen eng mit chronischem Stress in Verbindung stehen: Herz-Kreislauf-Krankheiten, Schlafstörungen, Diabetes, Adipositas, Depressionen oder Angststörungen sind gleichermassen verbreitete Folgen von langanhaltender Stressbelastung. Stressbedingte Erkrankungen sind daher längst zu Volkskrankheiten aufgestiegen und belasten nicht nur Betroffene, sondern treffen durch Produktivitätsausfälle auch Unternehmen und die Volkswirtschaft empfindlich. Doch was ist genau schuld daran, dass so viele Menschen unter Stressbelastungen leiden?

Typische Stressoren im Arbeitskontext: Von Arbeit 4.0 bis zu den eigenen Gedanken

Tiefgreifenden strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt, die zusammengefasst als Arbeit 4.0 oder unter dem Schlagwort VUKA-Welt beschrieben werden, befeuern Stressbelastungen im Arbeitsleben. Äusseren Stressoren zeigen sich beispielsweise in Form von überfordernder Arbeitsmenge, Arbeitsplatzunsicherheit, wenig Autonomie oder dem ‘Technostress’ der entsteht, wenn neue technische Geräte oder Systeme Überforderung auslösen. Dabei wird oft vergessen, dass so genannte innere Stressoren ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. Individuelle Gedankenmuster oder Glaubenssätze können ebenso als Stressoren auftreten. Weit verbreitet sind etwa die Glaubenssätze, dass Zähne zusammenbeissen zu erfolgreichem Arbeiten dazugehört oder dass unser ‘Wert’ als Mensch von der erbrachten Leistung abhängt. Sich selber mit derartigen Gedanken unter Druck zu setzen kann dieselben verheerenden Folgen haben wie äussere Stressoren.

Was passiert im Körper, wenn Stressoren auftauchen?

Die Stressreaktion bezeichnet die körperliche oder psychische Reaktion auf innere oder äussere Stressoren, bei der Kräfte mobilisiert werden um Höchstleistungen zu ermöglichen. Evolutionsbiologisch ist diese Reaktion durchaus sinnvoll, da sie ursprünglich dazu diente, realen Gefahren zu entgehen: Sie half dem Neandertaler, schneller vor dem Säbelzahntiger zu flüchten. Die Stressreaktion versetzt den Körper innert kürzester Zeit in den Kampf-oder-Flucht-Modus und stellt kurzfristig Energie zur Verfügung, die für allfälliges Kämpfen oder Flüchten benötigt wird. Obwohl die Gefahrenlage sich deutlich verändert hat, ist die körperliche Stressreaktion dieselbe wie beim Steinzeitmenschen. Doch was geschieht dabei genau im Körper und weshalb kann das auf lange Sicht gefährlich werden?

Die Stressreaktion wird in erster Linie vom Gehirn ausgelöst und aktiviert hauptsächlich zwei Stressachsen: Einerseits eine schnelle, neuronale Stressreaktion über das autonome Nervensystem und andererseits eine langsamere, hormonelle Stressreaktion über den Hypothalamus. Vereinfacht gesagt bewirkt die Aktivierung beider Stressachsen, dass bestimmte Körperfunktionen hochgefahren werden, während andere Körperfunktionen gedrosselt werden, damit möglichst viel Energie zur Bewältigung der Gefahrensituation bereitgestellt werden kann. Beispielsweise werden Verdauungsvorgänge heruntergefahren, während Herzfrequenz und Blutdruck steigen und die Atmung schneller und flacher wird. Da die Wahrnehmung ganz auf die Gefahrensituation fokussiert ist, wird zudem das Denken unflexibler und weniger kreativ. Beruhigend ist, dass kurzfristige Stressphasen kein Gesundheitsrisiko darstellen, da sich die Überaktivität der Stressachsen in Erholungsphasen selbst reguliert. Gesundheitsgefährdend wird Stress dann, wenn die Erholungsphasen über längeren Zeitraum ausbleiben, sich Stressreaktionen als Dauerzustand etablieren und keine natürliche Regulation mehr stattfindet. Dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen und die Aktivierung des Sympathikus schädigen langfristig verschiedene Körperfunktionen und -systeme, was das Risiko eingangs erwähnter Erkrankungen erhöht. Es lohnt sich also, das eigene Stresserleben und damit verbundene stressverstärkende Gedanken kritisch im Blick zu halten.

Stressreduktion durch Gedankenhygiene: Wie geht das?

Unser Denken, Fühlen und Handeln werden in hohem Ausmass von unbewussten Wahrnehmungsmustern und Glaubenssätzen geprägt. Glaubenssätze zu unserer Person sind prägnante Überzeugungen über uns selbst, die im Laufe des Lebens von Bezugspersonen und persönlichen Erfahrungen geprägt wurden und die wir als wahr annehmen. Entscheidend in der Entstehung von Stress ist die Tatsache, dass gewisse Glaubenssätze als Stressverstärker wirken. Die unbewusste Überzeugung, dass Leistung uns wertvoll macht, wenig Vertrauen in unsere Fähigkeiten, das permanente Gefühl nicht zu genügen oder die Überzeugung, dass alles im Leben hart verdient sein müsse und self-care egoistisch sei, entstehen beispielsweise oft aus ungünstigen Glaubenssätzen. Solche stressverstärkenden Gedankenmuster sind tatsächlich in der Lage, körperliche Stressreaktionen zu triggern und dadurch dem Körper und der Psyche langfristig zu schaden.

Die gute Nachricht: Wir haben vieles in der Hand und können ungünstige Gedankenmuster durch förderliche, stressmindernde Gedanken ersetzen. 

Folgende drei Schritte können helfen, durch Gedankenhygiene den Alltagsstress zu reduzieren:

Schritt 1: Stressverstärkende Glaubenssätze erkennen

-       Beobachte während mehreren Tagen achtsam und wertefrei was du über dich selbst denkst. Da Glaubenssätze oft unbewusst sind, braucht es etwas Zeit, sie aufzuspüren. Du wirst in herausfordernden Situationen merken, welche beschränkenden Gedanken sich immer wieder aufdrängen. Führe Tagebuch über alle Denkmuster die sich zeigen und wähle 2-3 Überzeugungen aus, die du wirklich verändern möchtest.  

Schritt 2: Förderliche Glaubenssätze formulieren

-        Nehme die ausgewählten Glaubenssätze einzeln vor und finde zu jeder Überzeugung einen förderlichen Gedanken, mit dem die blockierende Überzeugung überschrieben werden soll. Neue Glaubenssätze sollen deinem inneren Wunsch entsprechen, wie du sein möchtest. Lasse dich bei der Wahl der neuen Glaubenssätze nicht durch weitere Glaubenssätze einschränken (z.B. das steht mir nicht zu, das geht doch nicht).

 Schritt 3: Transfer in den Alltag

-        Gedankenmuster zu verändern braucht naturgemäss Zeit, da sich neue neuronale Netzwerke im Gehirn etablieren müssen. Halte in herausfordernden Situationen immer wieder inne und lenke deine Gedanken bewusst in die Richtung, die du in Schritt 2 festgehalten hast. Verankere die neuen Glaubenssätze mit Geduld, Selbstmitgefühl und Optimismus, bis sich neue Reaktionsmuster zeigen.  

Wie Führungskräfte das less-stress Denken der Mitarbeitenden unterstützen können

Achtsamkeit ist hier das Zauberwort! Führungskräfte die ihren Mitarbeitenden achtsam begegnen merken schnell, wenn diese von stressverstärkenden Gedankenmustern getrieben sind und sich beispielsweise zu stark unter Druck setzen, nicht an sich glauben oder sich übermässig verausgaben. Führungsperson die bei Mitarbeitenden erkennen, dass potenziell stressverstärkende Gedankenmuster im Spiel sind, sollen dies offen ansprechen. Dies löst bei Mitarbeitenden das Gefühl aus wahrgenommen zu werden und kann einen wichtigen Prozess der Selbstreflexion anstossen. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Führungskraft ebenfalls kritisch mit eigenen Stressverstärkern auseinanderzusetzt und als gesundes Vorbild agiert. Weiter ist wichtig, dass die Unternehmenskultur die Rahmenbedingungen für gesundes Arbeiten bietet und generell eine zwischenmenschliche Vertrauensbasis besteht.

Dieser Artikel von Christine ist als Gastbeitrag im Februar 2023 im HR-Today erschienen. 

Blog Vagus

Vagusnerv und Stressregulation

Der Vagusnerv: Am Nerv der Stressregulation

Der Vagusnerv spielt eine Schlüsselrolle für körperliche Entspannung. In stressigen Zeiten lohnt es sich, seine Bedeutung zu verstehen und ihn für mehr Gelassenheit zu stärken.

Neben dem Ischias-Nerv ist der Vagus der wohl längste Nerv im Körper. Er wird auch als 10. Hirnnerv bezeichnet, entspringt als Nervenbündel dem Hirnstamm und reicht bis in den Bauchraum. Die beeindruckende Reichweite des Vagus-Nervengeflechtes ist vermutlich auch verantwortlich für seinen Namen: In Latein bedeutet vagari umherschweifen, also ‘umherschweifender Nerv’. Der Vagus umschlingt zudem fast alle Organe, was weiter auf den grossen Einfluss auf unsere Gesundheit hindeutet.

Blog Vagus

Nervensystem und Stress

In stressauslösenden Situationen setzt der 'Kampf-oder-Fluchtmodus' ein, Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin werden ausgeschüttet und der sympathische Teil des vegetativen Nervensystems ist aktiviert. Unter Stress schlägt das Herz schneller, der Magen verkrampft sich oder der Darm wird träge. Diese Reaktionen werden vor allem durch das sympathische Nervensystem gesteuert, während der Vagusnerv als Teil des Parasympathikus eine regulierende und beruhigende Gegenfunktion hat.

Der natürliche 'Kampf-oder-Flucht'-Mechanismus ist grundsätzlich hilfreich, warnt uns vor Gefahren und bündelt unsere Kraft. Da wir allerdings nur selten wirklich gefährlichen Bedrohungen ausgeliefert sind, ist diese Reaktion auf Dauer nicht hilfreich und es besteht viel mehr die Gefahr, dass wir chronisch in Alarmbereitschaft sind und Stressreaktionen langfristig an unserem Körper zehren. Auf lange Dauer kann dies stressassoziierte Erkrankungen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen, Schlafstörungen oder Hormonungleichgewichte wie Diabetes begünstigen.

Warum ist der Vagusnerv wichtig für die Stressregulation?

Als Gegenspieler des aktivierten Sympathikus im „Kampf-oder-Flucht“-Modus unterstützt der Vagusnerv den Körper dabei, wieder in einen Zustand der Ruhe und Regeneration zu gelangen. Als Teil des Parasympathikus trägt er dazu bei, Stressreaktionen abzubauen und den Organismus zu beruhigen.

Der Vagusnerv ist zudem an der Steuerung zentraler Körperfunktionen beteiligt, etwa der Verdauung, der Herzfrequenz, der Atmung und indirekt auch von Schlafprozessen. Er bildet damit eine wichtige Verbindung zwischen Gehirn und zahlreichen Organen.

Eine Aktivierung des Vagusnervs kann das Nervensystem in Richtung Entspannung beeinflussen. Dadurch fühlen wir uns oft ruhiger, ausgeglichener und gelassener. Auch Aspekte wie soziale Verbundenheit und Mitgefühl können dabei begünstigt werden.

Wie können wir den Vagusnerv für mehr Ausgeglichenheit stimulieren?

Zurecht wird der Vagus wegen seiner stressreduzierenden Eigenschaft auch ‚Selbstheilungsnerv‘ genannt. Erst neuere Forschungen zeigen, dass wir den Vagustonus gezielt stärken können und dadurch einen Beitrag für innere Stärke und Ausgeglichenheit leisten können. 
 
Wie können wir den Vagus nun gezielt stärken? 
Viele Übungen aus der Yoga-Tradition stimulieren den Vagus und fördern dadurch innere Ruhe. Einige weitere wirkungsvolle Übungen für einen starken Vagustonus sind hier für dich zusammengestellt.

Tiefes Atmen

Tiefe Atemübungen sind eine geeignete Methode, um den Vagus zu aktivieren. Durch langsames und bewusstes Einatmen in den Bauchraum und leicht verlängertes Ausatmen wird der parasympathische Nerv aktiviert. Versuche Folgendes:
 
o   Setze oder lege dich in eine bequeme Position.
o   Atme tief durch die Nase ein und lasse deinen Bauch sich dabei ausdehnen.
o   Halte den Atem für ein paar Sekunden an.
o   Atme langsam durch den Mund aus und spüre, wie sich dein Körper entspannt.
o   Wiederhole dies für mehrere Atemzüge

Singen oder summen

Durch singen oder summen entstehen feine Vibrationen, die den Vagus stimulieren. So zum Beispiel bei der Atemübung Bhramarie, das Bienensummen. Versuche Folgendes:
 
o    Komme in einen bequemen und aufrechten Sitz deiner Wahl.
o    Verschliesse mit den Daumen die Ohren, lege die Zeigefinger sanft über die Augen, die Mittelfingerkuppen seitlich an die Nasenflügel, die Ringfinger auf die Oberlippe und die kleinen Finger auf die Unterlippe (dieses Mudra wird „das Verschliessen der sieben Pforten” oder auch „Shanmukti Mudra” genannt)
o    Lausche eine kleine Weile dem Geräusch deines Atems.
o    Atme weiterhin ruhig und tief, aber summe während des Ausatmens wie eine Biene. Wenn nach dem Ein- oder Ausatmen Pausen entstehen, lasse sie zu.
 
Beende die Übung, sobald deine Arme zu sehr ermüden. Lege dann die Hände zurück auf die Knie oder in den Schoss und spüre eine Weile mit geschlossenen Augen nach. Verbinde dich mit den Empfindungen, die dieses Summen in dir hinterlassen hat.

Und natürlich Yoga

Die Kombination aus Atemübungen, entspannenden Körperhaltungen und mentaler Fokussierung während des Yogas kann dazu beitragen, den Vagusnerv zu aktivieren und somit Stress abzubauen. Regelmässiges Yoga kann langfristig dazu beitragen, den Vagustonus zu verbessern und so die Fähigkeit für Erholung und Entspannung zu verbessern.
 
Gerade für die kommende kalte Jahreszeit finde ich es enorm bereichernd, sich immer wieder mit allen Sinnen zurückzuziehen und auf die Signale des Körpers zu achten um ihm die Ruhe zu geben, die er braucht.

Bild 2 gesund führen

Emotionale Intelligenz in der Führung

Emotionale Intelligenz als Führungsqualität

Der EQ ist veränderbar!

Führungskräfte haben nicht nur auf die Arbeitszufriedenheit und Leistung der Mitarbeitenden einen enormen Einfluss, sondern beeinflussen durch ihr Führungsverhalten auch übergeordnete Faktoren wie das Betriebsklima oder die Attraktivität des Arbeitgebers. Gute Führung erhält dadurch einen hohen Stellenwert mit erheblicher Hebelwirkung, wenn es darum geht ein gesundheits- und leistungsförderliches Arbeitsumfeld zu kreieren.


Doch was läuft schief, dass sich weiterhin viele Mitarbeitende nicht gut geführt fühlen oder gar die Führungsperson als Kündigungsgrund nennen? Weshalb fällt die Beziehung zum Vorgesetzten und die Zusammenarbeit zwischen Hierarchiestufen viel zu häufig belastend aus? Einer der Gründe ist, dass Führungskräfte die Wichtigkeit von Emotionen im betrieblichen Umfeld unterschätzen und wenig Bewusstsein dafür haben, dass Emotionen das Wohlbefinden und Verhalten prägen. Emotional intelligente Führungskräfte beherrschen also die Kunst, Emotionen in eine positive Richtung zu lenken und so verschiedene Erfolgsfaktoren günstig zu beeinflussen.

content-gesunde-führung-kraftvoll-führen-durch-intuition

Mit seinem Bestseller «EQ - Emotional Intelligence» weckte Daniel Goleman 1995 das Interesse der breiten Öffentlichkeit für das Thema und beschrieb ausführlich, weshalb das Erkennen und der angemessene Umgang mit eigenen Emotionen und Emotionen anderer eine derart wichtige Kompetenz darstellt. Er zitiert dabei zahlreiche Studien die aufzeigen, dass die Fähigkeiten des reinen Intellektes nur bedingt das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit vorhersagen und bei Personen mit ähnlichem IQ diejenigen erfolgreicher sind, die geschickt mit Gefühlen umgehen können. Auf dem Buchrücken formuliert es Goleman unmissverständlicher: «Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?».
Dass der EQ auch für Führungskräfte eine unabdingbar wichtige Kompetenz darstellt, wird in aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen immer wieder bestätigt. Es zeigt sich, dass emotional intelligent geführte Teams leistungsfähiger und kooperativer sind, motivierter arbeiten, ein kreativeres Problemlöseverhalten an den Tag legen, vertrauensvollere Beziehungen führen und sich weniger gestresst fühlen (Dogru, Front Psychol, 2022; Schlechter & Strauss. J Indust Psychol, 2008; Miao et al. J World Business, 2018).

Die gute Nachricht ist:

Emotionale Intelligenz ist lernbar (Kotsou et al. Emotion Review, 2019). Verschiedene Techniken der Selbstreflexion ermöglichen die bewusstere Wahrnehmung eigener Gefühle, fördern das Verständnis für die Entstehung unterschiedlicher Gefühlslandschaften und unterstützen ein angemessenes Emotionsmanagement. Auf der Basis dieser persönlichen Fähigkeiten können soziale Kompetenzen ausgebaut werden, etwa Emotionen anderer treffend wahrzunehmen und empathisch damit umzugehen.

Optimismus . (7)

Yoga Nidra zur Tiefenentspannung

Wie gelingt tiefe Entspannung im Alltag?

Wie entspannst du? Etwa bequem im Sessel versunken oder aktiv beim Bewegen? Beides sind wertvolle Formen der Erholung, jedoch gibt es eine Einschränkung dieser Art von Entspannung: der Geist und der Körper sind immer noch aktiv und die Sinne sind häufig abgelenkt anstatt komplett ruhig. In absoluter Entspannung ist der Körper völlig frei von muskulärer Anspannung und der Geist, der fortlaufend Gedanken produziert, kommt vollständig zur Ruhe. In diesem Zustand tiefster Entspannung werden verschiedene körperliche und mentale Prozesse angestossen, die weitreichende gesundheitsförderliche Effekte haben. Doch wie schaffen wir es, in diesen tiefenentspannten Zustand zu gelangen?

Was ist Yoga Nidra?

Yoga Nidra wird mit «Schlaf der Yogis» übersetzt und ist eine Technik die es ermöglicht, in Tiefenentspannung einzutauchen und mit etwas Übung physisch, mental und emotional komplett zu entspannen. Die Ausführung ist einfach. Zum Praktizieren legt man sich bequem und regungslos auf den Rücken und folgt einer gesprochenen Anleitung, die je nach Version zwischen 20 und 30 Minuten dauert. Während der Geist den Anweisungen folgt, wird ein Zustand zwischen Wachheit und Schlaf erzeugt. In diesem Zustand ist das Bewusstsein im Vergleich zum Tiefschlaf weiterhin aktiv.

Wie wirkt Yoga Nidra?

Beim Schlafen werden im Gehirn Delta-Wellen produziert, während beim Yoga Nidra die für tiefe Entspannung und Dämmerschlaf typischen Alpha- und Theta-Wellen vorherrschen. Da beim Yoga Nidra die Tiefschlafphase nicht eintritt, fällt die oft auftretende Benommenheit nach dem Schlafen weg und das Praktizieren wirkt idealerweise entspannend aber gleichzeitig aktivierend. Forschungen zeigen zudem, dass vor allem Theta-Gehirnwellen mit verschiedenen gesundheitsförderlichen und heilenden Effekten in Verbindung stehen und diese Gehirnfrequenz regenerative Prozesse im Körper anstösst. Neben der Wirkung auf den Körper verhilft die Technik durch die komplette Beruhigung des Geistes zu mehr Fokus und innerer Ruhe, was sich positiv auf die Gedächtnisleistungen, die Kreativität oder die Produktivität auswirkt. Daher bietet Yoga Nidra eine kraftvolle Technik zur Stressreduktion.

Yoga Nidra anzuwenden bedarf keine Vorkenntnisse oder besondere körperliche Voraussetzungen und ist somit für alle Menschen geeignet, die sich eine einfache und praktische Technik wünschen um ihren Körper und Geist tief zu entspannen. 

content-gesundheitsstrategien-gallerie-2

Meditation, Stressregulation und Gesundheit

Meditation, Stressregulation und Gesundheit

Arbeitsstress betrifft schweizweit rund ein Drittel aller Arbeitskräfte und die Hälfte davon fühlt sich emotional erschöpft. Es verwundert daher nicht, dass stressbedingte körperliche und mentale Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Schlafstörungen, Übergewicht oder Depressionen längst zu Volkskrankheiten aufgestiegen sind und damit nicht nur für Betroffene grosse Belastungen auslösen, aber auch durch Produktivitätsausfälle die Volkswirtschaft empfindlich treffen (Job-Stress-Index 2022, Gesundheitsförderung Schweiz; Gesundheitsstatistik 2019, Bundesamt für Statistik, Neuchâtel). 

content-gesundheitsstrategien-gallerie-2

Das Karussell dreht immer schneller. Digitale Transformation, Informationsflut oder Arbeitsverdichtung sind Rahmenbedingungen, mit denen Menschen im Arbeitsleben unweigerlich klarkommen müssen. Die gute Nachricht ist, dass wir vieles in der Hand haben und einen gesunden Umgang mit diesen Rahmenbedingungen erlernen können. Dafür braucht es nicht zwingend eine weitere Innovation, sondern einen Blick zurück auf das, was sich in der Menschheitsgeschichte seit jeher für mehr Gelassenheit bewährt hat: Meditation. Höhlenmalereien aus dem alten Indien, die auf 3500 v. Chr. datiert sind, zeigen Menschen in Meditationshaltung die mit halb geschlossenen Augen in tiefe Kontemplation versunken sind.

Inzwischen ist es wissenschaftlich gut beforscht, dass meditieren die Hirnaktivitäten positiv beeinflusst, die körperliche und mentale Gesundheit stärkt und die Konzentration, Leistungsfähigkeit und Kreativität in Denkprozessen fördert (Gàl et al. J Affect Disord, 2021; van der Zwan et al. Appl Psychophysiol Biofeedback, 2015; Tang et al. Natur Plast, 2020; Gotink et al. Brain Cogn, 2016).

Eine Forschergruppe des renommierten University College London konnte in einem Experiment beispielsweise zeigen, dass Arbeitskräfte die während acht Wochen regelmässig kurze Audio-Meditationen durchführten deutlich weniger gestresst waren, höheres Wohlbefinden berichteten und sich sozial mehr unterstützt fühlten als die Kontrollgruppe ohne Meditationspraxis (Bostock et al. J Occup Health Psychol, 2019).

Es ist gar nicht so schwierig

Meditieren braucht vor allem die Bereitschaft, sich Zeit für eine kurze Auszeit zu verschaffen. Wie viel Zeit ist im Grunde nicht zentral, während des Arbeitsalltages können auch kurze Sequenzen von 1-2 Minuten durchaus nachhaltig zu innerer Gelassenheit beitragen. Inzwischen sind viele Audiodateien oder Apps verfügbar (z.B. https://insighttimer.com/de), die eine grosse Auswahl an Fokusthemen oder Techniken anbieten. Meditation ist im Kern eine Aufmerksakeitsübung, um den Gedankenfluss zu beruhigen.